Corona Tagebuch Tag 2

Die Nacht ist um und ich bin heilfroh. Mir tut einfach alles weh, aber langsam kommt die Wärme in meine Glieder zurück, was irgendwie verrückt klingt, weil ich ja immer noch Fieber habe. Allerdings ist die Temperatur auf 37,7 Grad gefallen.

Ich telefoniere mit meiner Hausarztpraxis, sage, dass ich vermutlich infiziert bin und frage, was man dann eigentlich machen muss. Denn so ganz nebenbei: Wir haben einen Regelkatalog mit Verboten und Geboten, die man uns ständig vor die Nase hält, aber so einen Infizierten-Fahrschein gibt es nicht. Also : Infiziert – Anruf hier – Test dort etc.

Die Assistentin nimmt die Beschwerden auf und teilt mir mit, der Doc würde mich zurückrufen. Noch während ich frühstücke, macht er das auch. Ich werde zur Infektionssprechstunde bestellt, 11:30 Uhr, nicht früher, nicht später, vor der Tür warten und klingeln. Mein Mann ist ungeheuer begeistert, dass er den Chauffeur spielen muss, aber mit Fieber will er mich nicht selbst fahren lassen und es bleibt ja noch etwas Zeit, gemütliches Frühstücken ist drin. Ein Glück, dass er gerade Kurzarbeit hat. Kurz vor der Fahrt messe ich noch einmal meine Temperatur, danach wird garantiert gefragt und siehe da: 37,3 Grad.

Um 11:29 Uhr stehe ich beim Doc vor der Praxistür und klingele. Die Arzthelferin kommt heraus, schickt mich um das Haus zu einer anderen Tür, an der ich wieder klingeln soll. Das mache ich auch brav, dort holt mich der Doc persönlich ab und führt mich durch die Hintertür ins Sprechzimmer. Das Meiste weiß er ja schon, fragt noch andere Sachen ab (unter anderem die Temperatur, yeah, ich bin vorbereitet) und schreibt mich dann krank und stellt mich unter Quarantäne. Er macht einen Rachenabstrich, wir brauchen 3 Anläufe, weil ich ständig dabei würgen muss, aber er ist wirklich vorsichtig und macht es im Stehen. Wenn es mir zu viel wird, kann ich rückwärts gehen und stoppen. Das macht die Sache für mich erträglich. Ich bekomme dann noch ein Informationsblatt und die Mitteilung, dass sich das Gesundheitsamt bei mir melden wird und ich auf jeden Fall anrufen soll, wenn es schlimmer wird.

An dieser Stelle muss ich mein Tagebuch mal unterbrechen und ein Lob an die Arztpraxis Bröße – Thelen in Dabendorf aussprechen. Die Organisation dort ist Eins A. Kein Infizierter kommt durch das Wartezimmer oder den Bereich, in dem andere Patienten sind. Das Risiko, sich dort anzustecken ist nahezu bei Null. Ich sage Nahezu, weil irgendwas ist ja immer. Der Teufel ist ein Eichhörnchen mit einem verdammt buschigen Schwanz – wie man so schön sagt.

Aber nicht nur die Organisation ist sehr gut, auch der Umgang mit den Infizierten. Ich habe die schaurigsten Berichte von anderen Praxen gehört, über die Weigerung einen Infizierten überhaupt in die Praxis zu lassen und dergleichen mehr. Zutritt nur mit Negativtest, Tests werden gar nicht gemacht etc. pp. Insofern kann ich die Praxis nur empfehlen!

Zurück zum Bericht.

Ich komme wieder nach Hause und lege mich erst einmal auf die Couch. Ich bin fix und alle. Klar, Fieber, kaum geschlafen. In meinem Körper tobt ein Krieg und das spüre ich sehr deutlich. Ich bin furchtbar schlapp und habe Kopf- und Rückenschmerzen, glücklicherweise sind die Kopfschmerzen nicht mehr ganz so stark.

Mittags gibt es Hühnersuppe mit Eierstich, meine ganz persönliche Medikation für jedwede Art von Erkältung. Aber richtige Hühnersuppe, selbst gemachte, nicht dieses Tütenzeug, in dem nicht mal Huhn drin ist. Zum satt werden kommen noch japanische Nudeln rein und für die Aufmunterung meines Körpers ein paar größere Spritzer Tabasco.

Anschließend ist mir warm. Endlich 🙂

Den Tag verbringe ich vor dem Fernseher, sehe zu, wie meine Temperatur auf 37,1 Grad sinkt und denke, das Schlimmste habe ich überstanden.

Fortsetzung hier

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