Corona Tagebuch Tag 11

Die Nase ist immer noch nicht okay. Jetzt habe ich das auch nicht wirklich erwartet, ein Schnupfen dauert ja in der Regel etwas, aber lästig ist das doch und außerdem habe ich bisher nirgendwo gelesen, das sei typisch Corona.

Vor unserem Tor wird gebaut – eigentlich schräg daneben, es entstehen dort sechs Einfamilienhäuser und der Krach wirft mich aus dem Schlaf. Nicht einmal in Quarantäne kann man ausschlafen.

Also Tiere füttern und die erste Gartenrunde drehen. Wir leben gerade sehr luxuriös. Unsere Hunde können ganz normal in den Garten und toben, ihr Geschäft verrichten oder sich bequem in die Einfahrt legen. Ich frage mich, wie das Hundebesitzer machen, die keinen Garten haben. So ein Hund muss mal. Egal ob sein Besitzer in Quarantäne ist oder nicht. Selbst wenn jemand anderes ginge, man muss den Hund ja übergeben. Kontakt ist aber verboten. 

Eine der vielen Fragen, die sich mir in dieser Situation stellen. Auf so etwas ist man doch überhaupt nicht vorbereitet. Wir haben zum Beispiel genug Vorräte um zwei Wochen essen zu können, aber dann müssten wir auf die wichtigsten Dinge verzichten, nämlich frisches Obst, Gemüse, Salat. Genau die Lebensmittel, die bei der Bekämpfung einer Krankheit helfen.

Wie machen das Menschen mit Mindestlohn oder Aufstocker oder ALG II Empfänger? Wir waren selbst in dieser Situation, das ist Jahre her, aber ich kann mich sehr gut daran erinnern. Da gab es keinen Bio-Salat, da war ich froh, wenn es für Salat reichte, an viel Obst war da nicht zu denken. Zu der Zeit hatten wir auch keinen Garten, fürs Frühstück Obst pflücken gab es da nicht.

Zum Glück für uns beide rauchen wir nicht und das teuerste Hobby damals war World of Warcraft. Ich habe an allem gespart, aber nie am Essen. Es gab also Salat und Obst, aber beides nicht Bio und es war nicht sehr viel davon.

Heute gehört auf den Einkaufszettel Gurke, Tomate, Salat – verschiedene Sorten – Obst und Kräuter sowie Gemüse. Das brauchen wir gar nicht mehr notieren. Wenn wir aus der Obst- und Gemüseabteilung kommen, ist der Wagen schon gut gefüllt.

Oft sehe ich beim Einkaufen Menschen, die neidvoll auf meine Demeter-Bananen sehen. Mir tut das leid, außer in den Fällen, in denen ich dann sehe, wie an der Kasse Zigaretten eingepackt werden. Als ich jung war, war ich auch so bekloppt. Mit 19 war ich kurze Zeit arbeitslos, ernährte mich von Brot mit Senf, damit ich mir Tabak kaufen konnte. Wie blöd man doch sein kann.

Heute ist jedoch das Badezimmer dran. Waschbecken und Toilette glauben es kaum, dass sie noch einmal strahlen dürfen. Das ist spätestens dann vorbei, wenn unsere Katze entdeckt, dass das Waschbecken strahlend sauber ist. Sie schafft es immer wieder ihre Pfotenabdrücke dort zu hinterlassen. Ich sollte solche  Aufkleber anbringen, vielleicht schreckt sie das ab.

Eine große Überraschung erwartet mich im Briefkasten. Der Brief an sich sieht unscheinbar aus, man erkennt erst einmal nicht, wer der Absender ist. Als ich ihn geöffnet habe, falle ich fast um. Seht selbst.

Mein Mann lacht sich halb tot, kommt das Ganze doch eine klitzekleine Kleinigkeit von zwei Wochen zu spät. Ich frage mich allerdings, woher weiß die Bundesregierung, dass ich ein erhöhtes Risiko habe? Ich bin nicht einmal 60 Jahre alt – das wäre also durch die Daten vom Einwohnermeldeamt zu erfahren gewesen. Aber meine Krankengeschichte? Wieso kennt die Regierung die?

Ich schrei jetzt nicht „Nein, ich will die günstigen Masken nicht!“, aber what the fuck? Woher haben die meine Daten? Augenscheinlich haben sie Kontakt zu den Krankenversicherungen, aber ich habe denen nicht erlaubt, meine Daten mit irgendwem zu teilen. Ich bin erbost. 

Heute habe ich 4000 Schritte geschafft, bin jetzt aber völlig fertig. Das ist das Blöde mit Schonen und krank sein, man ist so schnell weniger leistungsfähig. Ich glaube ich werfe mal die Wii an.

Fortsetzung hier

So fing es an

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